Metis Crossing / Victoria Settlement

Ein wenig bekannter Teil der Geschichte von Albertas Ureinwohnern rückt ins Rampenlicht

Zoey Duncan

Travel Alberta

Jun 27, 2019 - 4 Minuten

Vor ein paar Jahrhunderten verbreitete sich ein Modetrend wie ein Lauffeuer durch Europa, der die Erkundung des späteren Kanada durch die Europäer vorantrieb. Und fast neun Monate, nachdem die ersten Europäer an der Ostküste Kanadas an Land gegangen waren, wurde das erste Métis-Kind geboren.

Das zumindest ist die witzige Version der Geschichte, die Juanita Marois bei der Besichtigung von Métis Crossing im Nordosten Albertas erzählt. Juanita, selbst eine Angehörige der Métis, ist Entwicklungsmanagerin für das Kultur- und Informationszentrum auf dem historischen Land der Métis. 

Die Métis sind eine eigene kulturelle Gruppe unter den Ureinwohnern Kanadas, die ihre Wurzeln auf europäische Entdecker und Pelzhändler (zumeist Männer) zurückführen, die Familien mit Ureinwohnerinnen (zumeist Frauen) gründeten, während sie für Handelsgesellschaften wie die Hudson’s Bay Company arbeiteten. 1885, nach dem fehlgeschlagenen Aufstand der Red River Resistance gegen die kanadische Regierung, „war es nicht gut, zu den Métis zu gehören“, erzählt Juanita. Die Regierung verweigerte den Métis kurz gesagt ihre Identität, was zu Armut und Rassismus gegen die Métis führte. Dieses Ringen setzte sich mehr als ein Jahrhundert lang fort.

 
Victoria Settlement

Bucht einen Platz bei der Victoria Trail Voyageur Experience, um ein Gefühl für das Leben der Métis und die schweren Lasten zu bekommen, die sie auf ihrem Rücken tragen mussten.

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Erpaddelt euch das Erbe der Métis

Juanita wusste schon immer, dass sie von den Métis abstammt, aber mehr darüber zu erfahren, war gelinde gesagt kompliziert. „Als ich klein war, sagte meine Großmutter einmal zu meinen Eltern: ,Ihr seht nicht wie Indianer aus, ihr müsst euch damit nicht abgeben. Ignoriert es. Vergesst es einfach.‘ Deshalb habe ich als Kind nichts über die Traditionen der Métis gelernt. Ich wusste schon immer, dass ich Métis war, aber was das bedeutet, hat mich nicht interessiert.“

Erst als Juanita Marois Feldforschung betrieb und Angehörige der indigenen Völker über Jagd, Fallenstellen, Nahrungssuche und andere Ressourcen befragte, begann sie auch, mehr über ihr eigenes kulturelles Erbe in Erfahrung zu bringen. „Ich habe mich ein Jahr lang mit meiner Kultur beschäftigt und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich mich dafür absolut nicht zu schämen brauche“, erklärt sie. „Siebzehn Jahre später setze ich mich nach wie vor dafür ein und lerne immer noch etwas dazu.“

Métis Crossing steht auf Grundstücken am Fluss, die den Métis Ende des 19. Jahrhunderts übergeben wurden. Hier gibt es eine Mischung historischer Gebäude und nachgebildeter Trapperzelte, ein Museum und eine Menge praktischer Erfahrungen zu erkunden. Viele Métis waren als Fallensteller und Voyageurs im Pelzhandel tätig und transportierten ihre Pelze im Kanu. Das könnt ihr bei der halbtägigen Victoria Trail Voyageur Experience am eigenen Leib erfahren. Bei dieser Kombinationstour besichtigt ihr Métis Crossing und das Pelzhändlerfort Victoria Settlement und legt den Weg zwischen den beiden Orten im Kanu zurück.

 
Metis Crossing

Denkt ihr, einen Baumstamm durchzusägen, sei einfach? In Métis Crossing könnt ihr euch eines Besseren belehren lassen. Das ist nur eine der vielen praktischen Aktivitäten, die ihr in Métis Crossing ausprobieren könnt.  

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Weben, sägen und einen neuen Tanz lernen

Ihr beginnt mit euren Kulturinterpreten in Métis Crossing, seht euch das 1885 gebaute Heim eines Mitglieds der Gemeinschaft an, das das stolze Alter von 101 Jahren erreichte, und setzt euch an einen Webstuhl, um ein paar Reihen zu einer Métis-Schärpe hinzuzufügen. Die Schärpe diente traditionell als Werkzeuggürtel und als Gewichtgürtel (Leistenbrüche forderten mehr Todesopfer als Ertrinken) und wurde später zum Symbol der Métis.

Dann probiert ihr einen Tee aus in der Wildnis gesammelter Minze, Hagebutten und Kochbananen. Ihr lernt, wie man eine Biberfalle aufstellt, knabbert etwas getrockneten Bison und versucht, einen Baumstamm durchzusägen, um ein Gespür dafür zu bekommen, wie viel Arbeit in den Rahmenbauten von Red River steckt. Und weil „zu jeder richtigen Métis-Party ein Red River Jig gehört“, lernt ihr die Tanzschritte, die französische, schottische und einheimische Wurzeln haben. Auf den Spaß in Métis Crossing folgt der anstrengende Teil: Ihr geht hinunter zum North Saskatchewan River, um im Kanu zu einer weiteren historischen Siedlung, Victoria Settlement, zu paddeln. Vielleicht seht ihr auf dem Weg sogar einen Biber!

„Wir versuchen zu zeigen, wer die Métis waren, was unsere Geschichte ist und wo wir herkommen“, sagt Juanita. „Deshalb sind wir hier: um unsere Geschichten zu erzählen und zu vermitteln, wer wir als Nation sind, besonders angesichts des gegenwärtigen Wandels in Alberta.“

 
Metis Crossing

Mit einer Übernachtung in einem traditionellen Trapperzelt rundet ihr euren Besuch in Métis Crossing perfekt ab.

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