Die schmackhafteste Art, um die Landwirtschaft von damals kennenzulernen

Shelley Boettcher

Travel Alberta

Feb 07, 2019 - Lesedauer: 3 Minuten

Abgesehen von den wenigen Erntehelfern, die mit Kopfhörern und iPhones herumlaufen, ist die Gerstenernte auf der Bar U Ranch für die Eau Claire Distillery eine interaktive Reise in die Vergangenheit.

Die in Turner Valley ansässige Destillerie stellt in Zusammenarbeit mit der Ranch – einer National Historic Site – Spirituosen her und bietet Besuchern seit 2011 jedes Jahr die Möglichkeit, bei der Ernte dabei zu sein. Durch das Farm-to-Table-Konzept erhalten die freiwilligen Helfer einen Einblick in die Landwirtschaft vor 100 Jahren.

Eine Stunde südlich von Calgary, am Fuße der Kanadischen Rocky Mountains, liegt die Bar U Ranch, die im 19. Jahrhundert zu den größten Ranches in Kanada zählte. Heute ist sie ein großartiger Ort, um etwas über die Ranchtraditionen vergangener Tage zu erfahren.

Brabanter und Percheron-Pferde helfen bei der Einfuhr des Getreides, das ihr später als leckeren Drink in der Eau Claire Distillery verkosten könnt.

Colin Way

Vom Getreidekorn bis zur Spirituose

Im Frühling wirbt das Team der Eau Claire Distillery Freiwillige an, die dabei helfen, einige Hektar Weideland mit altertümlichen Geräten zu beackern. Die freiwilligen Helfer bauen dann Gerste an, die die Destillerie zur Herstellung ihrer preisgekrönten Spirituosen verwendet.

Ein paar Monate später rücken die Farmer und Ranchbetreiber erneut mit alten Geräten und zusätzlichen Pferdestärken (in Form von Brabantern und Percheron-Pferden) an, um die Ernte innerhalb weniger Tage im September einzubringen. 

Zuerst wird das Getreide gebunden und aufgestellt. Dabei werden mehrere Getreidebündel senkrecht aneinander gelehnt und befestigt, damit sie vor schlechtem Wetter (das in Alberta im Frühherbst nicht ungewöhnlich ist) geschützt sind.

Durch das Dreschen bekommt das Korn seinen besonderen Geschmack, der das Endprodukt – Wodka oder Gin – so schmackhaft macht.

Colin Way

Geballte Ladung 

Ein oder zwei Wochen später erfolgt das Dreschen. Die freiwilligen Helfer arbeiten hart, um die Ballen auf die von Pferden gezogenen Wagen zu verladen. Die Pferde transportieren die Ballen zu einer Dreschmaschine aus den 1920er-Jahren, die dann das Stroh vom Korn löst. 

Nur wenige Meter vom Parkplatz entfernt ist die Arbeit in vollem Gange. Einige Besucher melden sich noch spontan als Erntehelfer an. Nach getaner Arbeit werden sie zu einem Abendessen in der Destillerie in Turner Valley eingeladen und nippen vielleicht schon an Eau Claire´s Three Point Vodka, der nach einem nahe gelegenen Bach benannt wurde.

Wir hingegen möchten das Treiben einfach nur mit unseren Kameras festhalten. Das macht genauso viel Spaß, ist aber viel weniger Arbeit! Doch selbst ohne uns daran zu beteiligen, können wir uns vorstellen, wie schwierig die Landwirtschaft noch vor wenigen Generationen war. 

Nach einem Tag auf der Ranch ist die Destillerie der perfekte Ort, um einen handgemixten Cocktail zu genießen.

Eau Claire Distillery

Jeff Bartlett

Gin Tonic nach einem Tag auf der Ranch

Mein Vater könnte den ganzen Tag lang dastehen und die Arbeiter beobachten. Es erinnert ihn an seine Kindheit auf der Farm seiner Familie – nur ohne die Blasen und den schmerzenden Rücken. Nach einer Weile können wir uns doch losreißen, um uns den Rest der Ranch anzusehen. Die alte Baracke kommt besonders bei den Kindern gut an, weil sie dort das Lassowerfen üben können. Ich unterhalte mich mit ein paar Freiwilligen, die gerade am nahe gelegenen Lagerfeuer Kaffee kochen. In ihrer abgetragenen Arbeitskleidung und mit den Cowboyhüten sehen sie ein bisschen so aus, als wären sie einem Western entsprungen.

Auf dem Rückweg halten wir an der Eau Claire Distillery in Turner Valley an, um etwas zu essen – und natürlich auch, um ein paar Flaschen der einheimischen Spirituosen zu kaufen. Ich entscheide mich für den Parlour Gin, mein Vater für den Prickly Pear EquineOx, hergestellt aus Kakteen aus Alberta. In letzter Minute schnappe ich mir noch ein paar Flaschen von dem hauseigenen Tonic Water aus regionalen Zuckerrüben, um damit den besten Gin Tonic zu mixen. Überall an den Tischen strahlen uns begeisterte Gesichter entgegen – und vermutlich sehen wir genauso aus. Wir freuen uns schon auf den nächsten Besuch.