Einsteiger-Guide für Outdoor-Abenteuer im Castle Provincial Park 

Mhairri Woodhall

Travel Alberta

Feb 11, 2019 - Lesedauer: 3 Minuten

Auf dem kurzen, aber steilen Anstieg zum Clubs Peak komme ich mir ungefähr so elegant und anmutig vor wie ein Babyelefant. Meine leichten Turnschuhe haben kaum mehr Profil als Ballerinas und meine bequeme Yogakleidung hat den steifen Böen nicht viel entgegenzusetzen. Dann bin ich endlich am Ziel. Obwohl ich mehr japse, als ich zugeben möchte, überkommt mich ein Gefühl von Ruhe und Ehrfurcht. Der Wind, der unsere kleine Gruppe eben noch fast vom Weg geweht hätte, hat sich nun vollständig gelegt. Und der Ausblick über die Kontinentale Wasserscheide und die Flathead Range ist so bombastisch, dass er sich mit Worten kaum beschreiben lässt. Für so etwas verzichtet man gern aufs Atmen.  

Auch meine Wanderkameraden sind verstummt. Alle scheinen innezuhalten – fast so, als würden sie meditieren. Neben mir steht Heather Davis. Sie ist Wander-Guide und Inhaberin von Uplift Adventures und strahlt, als wäre sie heute zum allerersten Mal hier oben. Das stimmt natürlich nicht. Sie kennt Albertas neuesten Provinzpark schon lange wie ihre eigene Westentasche und hat ihre Leidenschaft inzwischen zum Vollzeit-Job gemacht. Ihre Begeisterung für die Natur – und vor allem den Castle Provincial Park – ist ihr deutlich anzumerken, egal ob sie über eine der 200 seltenen Pflanzenarten spricht, die hier zu finden sind, oder über ihre letzte Wandertour durch das Hinterland. 

Die Berge haben sie zum Wandern gebracht. „Ich fühle mich magnetisch angezogen“, sagt sie. „Hier draußen kann ich mich regenerieren, erden und lebendig fühlen.“ Heather kommt eigentlich aus der Wissenschaft und hat Agronomie (Landwirtschafts- und Bodenkunde) studiert. Sie weiß alles über die biologische Vielfalt der Region und teilt ihr Wissen zu den Pflanzen, Tieren und Geschichten des Parks gern mit Besuchern. Je mehr sie gelöchert wird, desto mehr blüht sie auf. Für jemanden wie mich, der hier draußen völlig unbedarft und überfordert ist, ist das eine großartige Sache.  

Ich bevorzuge eher zahme Outdoor-Abenteuer – auf gut ausgeschilderten asphaltierten Wegen oder Schotterpisten – und habe riesigen Respekt vor Draufgängern wie Heather, die es „abgeschieden, einsam und ungezähmt“ mögen. Der über große 105.000 Hektar große Castle Provincial Park wird diesem Wunsch vollauf gerecht: Er ist urtümlich, wild und unbeschreiblich schön. Allein schon seine schiere Größe macht die Orientierung im Park zur Herausforderung. Deshalb hat Heather Davis Uplift gegründet. Sie ist der festen Überzeugung, dass die Natur ein gemeinsames Gut darstellt, das allen offen stehen sollte, und dass Besucher deshalb wissen müssen, wie sie die abgeschiedenen Orte im Süden Albertas auf sichere Weise erkunden können. Alle Abenteuerangebote von Uplift haben auch eine informative Komponente. Reisende, denen beim Gedanken an Querfeldein-Wanderungen oder wilde Landschaften (und Tiere) die Knie schlottern, können an einem speziellen Workshop teilnehmen, bei dem sie erfahren, welche Gefahren unterwegs lauern, was in Sachen Wetter und Umwelt zu beachten ist und was unbedingt in ihren Rucksack gehört. Heather möchte Besuchern in erster Linie das nötige Selbstvertrauen geben, um sich sicher in der Natur und im Hinterland zurechtzufinden. „Ich liebe es, Wissen zu vermitteln und zu beobachten, wie diese Kurse dazu beitragen, dass die Leute die Natur mit anderen Augen sehen“, erklärt sie. Sie bietet auch zahlreiche geführte Abenteuer an – von Nachmittagswanderungen bis hin zu mehrtägigen Rucksackexpeditionen für Einsteiger.  

Wenn ihr vorhabt, den Castle Provincial Park zu besuchen, werft vorab einen Blick auf Heathers Wander- und Packtipps für Einsteiger und ihre Empfehlungen für die drei besten einfachen Wanderungen im Park.

Was ist das Besondere am Castle Provincial Park? Heather Davis lässt euch die magnetische Anziehungskraft spüren, die sie selbst hierher gezogen hat. 

Tipps für ungeübte Wanderer

Wer gut vorbereitet ist, muss keine Angst vor der Natur haben. Teilt jemandem mit, wohin ihr geht, und bleibt dann auf dieser Strecke.  

Wandert zu mehreren und lasst euch von Fehlschlägen nicht daran hindern, es ein weiteres Mal zu versuchen. Lernt aus euren Fehlern und hakt Misserfolge dann ab.  

Respektiert die Umwelt und andere Wanderer, und nehmt alles wieder mit nach Hause, was ihr mitgebracht habt – auch Essenreste. 

Packtipps für Wanderungen im Castle Provincial Park

Passt eure Wasservorräte den Temperaturen an. An heißen Tagen benötigt ihr mehr Flüssigkeit. Denkt daran, dass ggf. auch euer vierbeiniger Begleiter unterwegs etwas trinken muss. An heißen Tagen solltet ihr für eine ganztägige Wanderung mindestens 3 Liter veranschlagen. Auf kürzeren Strecken – egal, wie kurz – solltet ihr 1,5 Liter dabei haben.  

Steckt für Gipfelwanderungen eine Windjacke ein. Auf der Bergspitze ist es oft windig und da ihr euch dort weniger bewegt, besteht schnell Auskühlungsgefahr. Packt euch gut ein, und widmet euch dann dem Ausblick. 

Macht euch mit dem Einsatz von Bärenspray vertraut und verhaltet euch umsichtig. Wie in vielen National- und Provinzparks von Alberta leben auch im Castle Provincial Park Bären.  
Steckt ein paar Lieblingssnacks für unterwegs und eine besondere Belohnung für den Gipfel ein. Die habt ihr euch dann nach all der Mühe redlich verdient. 

Packt ein Erste-Hilfe-Set und zusätzliches Zubehör zur Behandlung von Blasen ein. Gerade bei Einsteigern ist die Blasengefahr sehr hoch. Kümmert euch um eure Füße, ehe sich daraus größere Probleme entwickeln. Ohne Schmerzen macht die Wanderung deutlich mehr Spaß! 

Der Blick vom Table Mountain macht den anstrengenden Aufstieg mehr als wett – und der Sonnenuntergang natürlich erst recht.

Katie Goldie

Die besten Wanderungen für Einsteiger im Castle Provincial Park

Drywood Falls: Eine einfache Strecke mit Wow-Faktor. Unterwegs erwarten euch kleinere Anstiege, von denen aber die meisten mit dem Fahrrad zu schaffen sind. Bis zu den überwältigenden Wasserfällen in den Front Ranges benötigt ihr etwa 1–2 Stunden. 

Carbondale Lookout: Die perfekte Wahl für eine Wanderung mit der Familie. Auf der Zugangsstraße und auf dem Gipfel erwarten euch moderate Anstiege, für die euch aber der weite Ausblick entschädigt. Für den Weg zum Gipfel benötigt ihr im Durchschnitt 1,5–2 Stunden. 

Table Mountain: Diese Strecke ist etwas anspruchsvoller. Beim Aufstieg zum Gipfel des Table Mountain ist eine Höhendifferenz von 690 Metern zu überwinden, sodass sich diese Route für Wanderer anbietet, die schon erste Erfahrungen gesammelt haben. Oben erwarten euch sensationelle Ausblicke über die Kontinentale Wasserscheide, die Ebene und Windräder. Bis zum Gipfel benötigt ihr vom Beaver Mines Lake Campground ungefähr 2–3 Stunden.