Fliegenfischen in Alberta: Warum sich immer mehr junge Frauen für diese Sportart begeistern 

Theresa Tayler

Travel Alberta

Feb 04, 2019 - 4 Minuten

Ein Herbsttag östlich von Calgary. Die Sonne lässt das bunte Laub am Ufer des Bow River erstrahlen. Paula Shearer macht sich gerade bereit, ihre Angel auszuwerfen. Da fällt ihr etwas Ungewöhnliches auf:

„Ich glaube nicht, dass ich schon jemals so viele Frauen dabei hatte.“ Sie zeigt auf Ruth Lee, Kate Targett und Amber Toner. Alle drei stehen bis zur Hüfte im kalten Wasser von Albertas international bekanntem Fliegenfischfluss, in dessen Stromschnellen sich unzählige Forellen tummeln.

„Lange Zeit haben sich gar keine Frauen für diesen Sport interessiert. Erst vor etwa vier Jahren begann sich das zu ändern. Ich glaube, dass dazu auch die sozialen Medien beigetragen haben. Außerdem denke ich, dass die Frauen in der Provinz heute offener für Outdoor-Aktivitäten und traditionell von Männern dominierte Sportarten sind.“

 

Paula Shearer entdeckte schon als junges Mädchen ihre Leidenschaft für die Fliege. Inzwischen hat sie ihr Hobby zum Vollzeitjob gemacht. Zu ihren treuen Fans gehört neben unzähligen Instagram-Followern auch ihre Hündin Willow.

Roth & Ramberg

Eine der gefragtesten Tourleiterinnen Nordamerikas

Paula ist eine von ganz wenigen Frauen, die hauptberuflich als Fliegenfisch-Guide am Bow River unterwegs sind. Schon vor ihrem achten Geburtstag kannte sie sich mit der richtigen Wurftechnik, Angelhaltung und Fangstrategie aus. Mit elf Jahren fuhr sie allein zum Angeln auf Seen. Ihre Lehrmeister waren ihr Vater und ihre Onkel. Mittlerweile hat sie aus ihrer Leidenschaft für die Fliege einen Beruf und eine Karriere gemacht. Sie hat nicht nur über 45.000 Follower auf Instagram (@PaulaShearer) und zahlreiche Sponsoren, sondern zählt auch zu den gefragtesten Guides in ganz Nordamerika.

Bei einem Tag auf dem Wasser mit Paula Shearer könnt ihr euch auf unterhaltsame Stunden an einem der besten Angelgewässer der Welt sowie auf fundierte Informationen und ein leckeres Mittagessen freuen. Ihr Unternehmen PS On the Fly ist einer von mehreren Veranstaltern für Fliegenfischtouren im Raum Calgary, die Besucher während der Angelsaison (Frühling bis etwa Mitte Oktober) zu den besten Angelplätzen für Regenbogenforellen, Forellen und Renken führen.  

„Der Bow River ist ein absolutes Paradies für Angler. Unter meinen Kunden sind Neueinsteiger und erfahrene Angler, und ich hatte schon Teilnehmer von den Bahamas, aus Schottland und Deutschland sowie aus Neuseeland und Australien“, so Paula.

 

Ruth Lee hat noch nicht viel Erfahrung mit dem Fliegenfischen, ist aber bereits süchtig danach. Am meisten begeistert sie die Naturnähe dieses Sports.

Roth & Ramberg

Verglichen mit ihren drei Mitstreiterinnen ist die 26-jährige Ruth Lee noch ein relativer Frischling. Ihre erste Fliege hat die Grafikdesignerin aus Calgary vor etwa drei Jahren ausgeworfen. Zum Sport ist sie über ihren Freund gekommen, der ein begeisterter Angler und Jäger ist. 

„Ich habe mit dem Fliegenfischen angefangen, weil ich es liebe, in der freien Natur zu sein, und bin sofort süchtig geworden“, erzählt sie.


 

Amber Toner (rechts neben Ruth Lee) begann als Mädchen auf Albertas Sheep River mit dem Fliegenfischen. Damals war der Sport „nicht gerade cool“. Heute dokumentiert sie ihre Abenteuer unter @thebugparade auf Instagram.

Roth & Ramberg

Vom Außenseiter- zum Trendsport

Amber wuchs südlich von Calgary bei Millarville auf. Ihr Vater brachte ihr das Fliegenfischen auf dem Sheep River bei. Als Teenager gab sie den Sport aber auf. „Fliegenfischen war damals nicht gerade cool“, lacht sie.  „Keines von den anderen Mädchen hat diesen Sport ausgeübt – und auch keiner von den Jungs in meinem Alter.“\

Nach ihrem Kunststudium kehrte sie nach Calgary zurück und fing dann vor etwa zehn Jahren gemeinsam mit ihrem Mann auch wieder mit dem Fliegenfischen an. Ihre Abenteuer dokumentieren sie unter @thebugparade auf Instagram.

„Wir lieben es, zusammen zu fischen. Ich glaube, am besten gefällt mir die Abgeschiedenheit. Mein Smartphone bleibt nach Möglichkeit zu Hause. Ich liebe es, einfach meinen Gedanken nachzuhängen und mich an der Schönheit Albertas zu erfreuen.“ 

Wie fast alle Fliegenfischer setzt Amber die gefangenen Fische wieder zurück ins Wasser. „Die meisten Fliegenfischer nehmen den Umweltschutz und den Erhalt der Forellenpopulation sehr ernst. Es gibt kaum jemanden, der seine Fische behält.“

 

Für den perfekten Angelplatz nehmen Kate Targett und ihr Freund manchmal sogar einen zwölfstündigen Fußmarsch auf sich.

Roth & Ramberg

Stundenlange Fußmärsche zu versteckten Angelplätzen

Für Kate Targett liegt der Reiz in der Jagd. Mit dem Fliegenfischen hat sie vor etwa sieben Jahren begonnen. Den meisten Spaß hat sie beim Auskundschaften von neuen Gewässern in der Provinz.

„Ich liebe das Abenteuer. Zusammen mit meinem Freund verbringe ich viel Zeit damit, Wanderexkursionen in neuen Gegenden zu planen“, sagt sie. „Das Angeln ist dann eigentlich nur noch das Sahnehäubchen.“

Das Klischee vom älteren Angler, der allein auf weiter Flur am Flussufer steht, mag zwar in den Köpfen vieler Unbeteiligter noch fest verankert sein, hat laut Kate aber nicht viel mit der Realität zu tun.  

„Viele Leute denken, das Fliegenfischen ist nur was für alte Männer. Aber das stimmt nicht. Man muss dem Sport eine Chance geben. Wir suchen uns meistens Angelplätze im unberührten Hinterland aus. Manchmal laufen wir fast zwölf Stunden am Flussufer entlang oder hangeln uns über Felshänge, um unser Ziel zu erreichen. Abends sind wir dann völlig platt.“

Für Kate Targett gibt es nichts Schöneres, als auf einer Insel im Fluss das Zelt aufzuschlagen und ein paar Tage zu angeln.

„In der ganzen Provinz gibt es jede Menge Bergflüsse und erstklassige Flussabschnitte. Die durchschnittliche Länge der Fische im Bow River liegt bei rund 40 Zentimetern. Das ist eine stattliche Größe und erklärt, warum die Leute so gern zum Fliegenfischen nach Alberta kommen. Außerdem kommen hier ca. 2.000 Fische auf eine Meile und der Fischbestand gehört zu den gesündesten weltweit. Wir können uns wirklich glücklich schätzen, in so einer wunderschönen und ergiebigen Region für Fliegenfischer zu leben.“