Albertas Südwesten: ein ganzjähriges Traumziel für Fatbiker

Tom Babin

Travel Alberta

Sep 13, 2018 - Lesedauer: 4 Minuten

Selbst der eingefleischteste Winterfan weiß die Vorzüge einer Aufwärmhütte zu schätzen.

In der Region Castle im Südwesten Albertas sind solche Hütten im Spätwinter eigentlich gar nicht nötig: Die Temperaturen sind mild, der Schnee bildet bereits erste Pfützen und unsere innere Heizung läuft auf Hochtouren, während wir auf unseren Fatbikes in die Pedale treten. Trotzdem freuen wir uns über das wohlig warme Gefühl, das uns sofort nach dem Eintreten umhüllt. 

Die Hütte wurde erst vor Kurzem errichtet. Sie ist Teil eines umfassenden Sanierungsprogramms, das mit der Ernennung von Castle zum Provinzpark im Jahr 2017 umgesetzt wurde – der erste neue Park in Albertas Kanadischen Rockies seit einer Generation. Die Hütte liegt im Zentrum eines ausgedehnten Streckennetzes für Langläufer, Schneeschuhwanderer und Fatbiker und steht allen Besuchern offen, die das breite Freizeitangebot in der Umgebung nutzen. Ein Holzofen und der Duft frisch geschlagener Kiefern bieten willkommene Zuflucht vor dem kalten Winter. 

Ein Geheimtipp, der sich herumgesprochen hat

Nicht weniger dankbar sind die unerfahrenen Teilnehmer unserer Gruppe auch für Karey Watanabes fachkundige Betreuung. Karey war lange als professionelle Mountainbikerin in Japan aktiv, lebt und arbeitet aber jetzt im Südwesten Albertas, zu dem auch der Crowsnest Pass und der Waterton Lakes National Park gehören. Ihr Unternehmen Sweet Riders organisiert im Sommer geführte Mountainbike-Exkursionen in der Region. Die fantastischen Trails galten lange als echter Geheimtipp, was sich aber schnell ändern dürfte. Im Winter steigt Karey auf Fatbikes um, die wie geschaffen für Albertas trockenen Pulverschnee sind. 

Karey Watanabe fühlt sich ganz offenkundig pudelwohl – auf ihrem Bike, im Schnee und im Gelände. Das ist besonders tröstlich für alle, denen es in dieser Hinsicht noch etwas an Selbstvertrauen fehlt. Unter ihrer Anleitung erkunden wir verschiedene Trails durch die Wälder, die ebenso gut zugänglich wie attraktiv sind. Immer wieder kreuzen Schneeschuhwanderer und Langläufer unseren Weg, doch das kann uns nicht bremsen. Auf einer Lichtung halten wir an, um Selfies vor der Kulisse der Rockies zu schießen. Ein glücklicher Seufzer zieht sich durch die Runde: So schön kann Winter sein.

Eine Region im Umbruch

Zum Mittagessen kehren wir in der Lodge im nahen Castle Mountain Resort ein – ein verstecktes Juwel, das sich aufgrund seiner immensen Schneemengen ebenfalls schnell herumsprechen dürfte. Über der herzhaften Hausmannskost gerät Karey Watanabe ins Schwärmen. Die Region Castle wird im Süden durch die schon fast legendäre Natur des Waterton Lakes National Park und im Norden durch die immer beliebter werdenden Orte am Crowsnest Pass begrenzt. 

„Hier tut sich gerade unheimlich viel“, erzählt sie. „Den Leuten wird immer bewusster, was für ein großartiger Ort das ist.“

Neue und erweiterte Campingplätze, Hütten im Hinterland, Glamping-Unterkünfte und Trails tragen dazu bei, dass das sommerliche Freizeitangebot im Castle Provincial Park kontinuierlich weiter wächst. Im Winter werden Strecken für Langläufer, Schneeschuhwanderer und Fatbiker präpariert, sodass inzwischen längst nicht mehr nur Skifahrer hier anzutreffen sind. Und dann sind da natürlich auch noch die Aufwärmhütten!

Perfekte Bedingungen auf Albertas trockenem Schnee

Als begeisterte Bikerin freut sich Karey Watanabe natürlich vor allem über die neuen Angebote für Radfahrer. Den ganzen Sommer über legt eine Gruppe engagierter Einheimischer im nahen Crowsnest Park Mountainbike-Trails an und kümmert sich um die nötige Beschilderung. Auch das Skigebiet Pass Powderkeg (das bald einen eigenen E-Bike-Verleih starten wird) ist inzwischen von einem Streckennetz durchzogen. Karey hat spezielle Mountainbike-Camps für Frauen im Angebot und setzt sich dafür ein, bedeutende Mountainbike-Events in die Region zu holen. 

Im Winter bietet Albertas trockener Pulverschnee ideale Voraussetzungen für Fatbikes und überall in der Region schießen neue Trails aus dem Boden. Das Schöne am Fatbiken ist, dass es eigentlich nichts anderes als Radfahren ist. Durch den Schnee und den geringen Luftdruck der dicken Reifen kommt ihr etwas langsamer voran, was die Ausflüge zu einer gemächlicheren Angelegenheit macht als das Mountainbiken im Sommer. Und falls doch mal etwas schiefgeht, sorgt der Schnee für eine weiche Landung. Ein paar Teilnehmer unserer Gruppe haben das gleich mehrfach ausprobiert – einfach zum Spaß. 

Für Karey Watanabe, die ohnehin schon einen großen Teil ihres Lebens auf dem Sattel eines Mountainbikes verbringt, bedeutet all das, dass sie künftig vermutlich noch deutlich mehr Zeit für das Radfahren aufwenden wird. Was ihr eigentlich ziemlich gelegen kommt. 

„Wir haben so ein Glück, dass wir hier leben“, meint sie. „Das möchten wir mit anderen teilen.“