Ein Einblick in die Arbeit im Kohlebergwerk

Debbie Olsen

Travel Alberta

Feb 06, 2019 - Lesedauer: 3 Minuten

Die Arbeit in einem Kohlebergwerk Anfang des 20. Jahrhunderts war wahrscheinlich nicht sehr angenehm. Doch das Bergwerk zu besichtigen ist gleich etwas ganz anderes. Ich muss lachen, als ich versuche, zu Beginn der Tunneltour durch die Atlas Coal Mine ein Selfie von unserer Gruppe zu machen. So ein Helm steht einfach niemandem.

Doch wir brauchen die Schutzausrüstung – schließlich wollen wir uns tief ins Innere der Mine wagen und am eigenen Leib erfahren, wie das Leben als Bergmann so war. Es gab eine Zeit, zu der Tausende Männer sich ihren Lebensunterhalt in der Kohleindustrie von Alberta verdient haben. Bei einer Tour durch die Tunnel hat man die Möglichkeit, in ihre Fußstapfen zu treten und ein echtes Bergwerk zu erkunden.  

Die Atlas Coal Mine liegt im idyllischen Drumheller Valley von Alberta und ist eines der besten Bergbaumuseen in Kanada. Zwischen 1911 und 1979 gab es im Drumheller Valley 139 Kohlebergwerke, es war eine der wichtigsten Kohleregionen Nordamerikas. Die Kohle aus diesem Tal versorgte das ganze Land. 

Erzählungen eines echten Bergarbeiters

Die Atlas Coal Mine war eine der erfolgreichsten Minen des Gebiets. Als sie 1979 geschlossen wurde, übergab der Besitzer sie dem regionalen Verein für Denkmalschutz. Heute ist die Atlas Coal Mine eine National Historic Site und beherbergt die letzte hölzerne Zechenanlage der Landes, mit der Kohle sortiert und verladen wurde.  

Bei unserem Besuch haben wir besonderes Glück, denn unser Tourguide war tatsächlich selbst einmal Bergmann. Bob Moffat ist Bergarbeiter der fünften Generation und ein begnadeter Geschichtenerzähler. Die Führungen durch die Mine sind sein Privatvergnügen in der Rente. In der Atlas-Mine hat er zwar nie gearbeitet, dafür aber in drei anderen Bergwerken in der Drumheller-Region. 

Als wir die Rampe hinuntergehen, die in die Atlas-Mine führt, erklärt Moffat, wie mit dem gummierten Stofftransportband neben dem Eingang Kohle aus der Mine zur Zeche befördert wurde, wo sie sortiert, gelagert und auf Eisenbahnwagen verladen wurde. Er sagt, dass die jüngsten Bergarbeiter in der Zeche arbeiteten, wo auch er im zarten Alter von 16 einstieg. Bevor das Gesetz gegen Kinderarbeit erlassen wurde, fingen manche Jungen schon mit 12 Jahren in der Mine an.

Geister der Vergangenheit 

Als wir tief im Inneren der Mine ankommen, bittet Moffat uns alle, unsere Stirnlampen auszuschalten. Auf einmal ist es dunkel. Stockdunkel. Aber dann schalten wir sie wieder ein, und Moffat beginnt zu erzählen. Seine Geschichten sind eindeutig das Highlight der Tour. Es ist einfach faszinierend, von einem echten Bergarbeiter in einer echten Mine mehr über den Abbau von Kohle zu erfahren. Mir läuft ein Schauer über den Rücken, als er davon erzählt, wie ihn einmal in den Tiefen der Mine die Stirnlampe im Stich gelassen hatte.   

Als die Tour vorbei ist, entscheiden sich meine Mitstreiter und ich, ganz wie echte Bergarbeiter direkt zum Last Chance Saloon in der Nähe von Wayne zu fahren. Einmal im Leben sollte jeder in einer Bar mit Schusslöchern in der Wand sitzen, inmitten einer Geisterstadt, in der es angeblich spukt. Wir sehen uns die Schwarz-Weiß-Fotos der Bergarbeiter an und prosten ihnen mit unseren Krügen zu – es hat Spaß gemacht, in ihre Fußstapfen zu treten. Aber nicht nur das: Wir haben auch einen Heidenrespekt vor ihnen.