Von Hollywood bis Höhenwanderweg: Albertas Kananaskis Country ist bereit für den großen Auftritt 

Tom Babin

Travel Alberta

Oct 11, 2018 - 3 minuten

Der Weg beginnt an einem Bergsee, führt an einem Wasserfall vorbei und endet auf einem Gipfel. (Vergesst nicht, eine Flasche Wasser einzustecken – schließlich seid ihr in den Rockies.) Dort steht eine kuriose kleine Hütte und am Fenster ein freundlicher Einheimischer mit einem Fernglas in der Hand. Das Geheimnis ist schnell gelüftet: Die Hütte ist der Barrier Lake Fire Lookout und der mysteriöse Beobachter hat ein wachsames Auge auf eventuelle Waldbrände. Der Job mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen – der atemberaubende Ausblick ist es allemal. Jahrelang wurde das Tal als Insidertipp gehandelt, doch jetzt hat seine große Stunde geschlagen. 

Das Kananaskis Country beherbergt einige der fantastischsten Bergparks in den Kanadischen Rockies und begeistert mit überwältigenden Seen, erstklassigen Instagram-Motiven, unvergesslichen Wanderwegen, der höchsten asphaltierten Straße Kanadas sowie zahlreichen neuen (und exklusiven) Freizeit- und Erholungsangeboten. Und obwohl vielleicht die wenigsten von euch schon vom K-Country (wie die Einheimischen es nennen) gehört haben – gesehen habt ihr es vermutlich alle schon.

Kananaskis ist großes Kino 

Kananaskis (ausgesprochen: Kähn-ah-näss-kiss) war lange so etwas wie der stiefmütterlich behandelte kleine Bruder des nur wenige Autominuten weiter westlich gelegenen Banff National Park. Millionen Reisende aus aller Welt kommen auf dem Weg nach Banff durch die Region, doch nur wenige nahmen sich bisher die Zeit, sich das nicht minder schöne Naturjuwel genauer anzusehen. So blieben die Einheimischen lange unter sich. Dass sich die allgemeine Aufmerksamkeit nun aber allmählich doch auf Kananaskis richtet, hat die Gegend einigen bedeutenden Großprojekten und – vor allem – Hollywood zu verdanken. 

In den letzten Jahren haben hier gleich mehrere Hollywood-Produktionen Station gemacht. Das große Finale aus „The Revenant – Der Rückkehrer“, in dem Leo DiCaprio (Achtung, Spoiler) sich endlich erfolgreich rächt, wurde ebenso in Kananaskis gedreht wie die Szene mit der Bergfestung aus der Traum-im-Traum-Sequenz am Ende von „Inception“ (die übrigens passenderweise auf dem Fortress Mountain aufgenommen wurde!) oder die Szene mit dem alten Skiresort aus „Planet der Affen: Survival“. 

Warm- und Kaltwasserbecken inmitten von Wäldern und Bergen: Das ist Entspannung à la K-Country.

Travel Alberta / Mike Seehagel

Golf und Wellness

In letzter Zeit hat sich Kananaskis zunehmend aus der Deckung gewagt. Der malerische Kananaskis Country Golf Course wurde nach den Überflutungen vor einigen Jahren komplett neu gestaltet und stößt seitdem auf ein begeistertes Echo. Das bekannteste Hotel der Gegend wurde nach umfassenden Renovierungsarbeiten unter dem neuen Namen Pomeroy Kananaskis Mountain Lodge wiedereröffnet (die Ausblicke sind fantastisch!) und umfasst nun auch ein äußerst luxuriöses Nordic Spa. (Tipp: Legt euren Besuch nach Möglichkeit auf den Winter – das Wechselspiel aus Warm- und Kaltwasser gibt euch den Glauben ans Leben zurück.)  

Hinzu kommen bewährte Attraktionen wie die Skihänge im Wintersportgebiet Nakiska, auf denen schon bei den Olympischen Winterspielen 1988 Wettkämpfe ausgetragen wurden. Lohnende Übernachtungsziele sind die Boundary Ranch (das Zuhause des echten „Guy on a Buffalo“), die Rafter Six Ranch (für alle, die gerne mal Cowboy spielen möchten), oder die gemütliche Engadine Lodge in den Bergen. Die Panoramastrecke über den Highwood Pass schraubt sich so weit in die Höhe, dass manchmal noch zum Saisonstart Mitte Juni der Schneepflug losgeschickt werden muss. 

Hoch zu Pferd im einsamen Wald. Gleich zwei Ranches im K-Country haben Angebote für einen typischen Alberta-Urlaub im Programm.

@celestineaerden

Euer Sprungbrett ins Abenteuer

Auch Campingfreunde und Wanderer kommen auf ihre Kosten. In der näheren Umgebung liegen einige der besten Wanderwege in den Kanadischen Rockies sowie erstklassige Camping- und Zeltplätze und wunderschöne Seen, die wie für Kanutouren gemacht sind. Im Winter könnt ihr Ski fahren, Schneeschuhwanderungen unternehmen oder die Gegend auf dem Fatbike unsicher machen. (Die nötige Ausrüstung und ggf. auch einen Guide bekommt ihr bei Kananaskis Outfitters.) 

Gut möglich, dass die Einheimischen das Kananaskis Country gern noch länger für sich behalten hätten. Zumindest einer aber dürfte sich über die zusätzlichen Besucher freuen, denn die Arbeit im Feuerwachturm ist eine recht einsame Angelegenheit. Da stellt etwas Gesellschaft eine willkommene Abwechslung dar. 

Von mild bis wild: Das K-Country lässt keine Wünsche offen.

John Price