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Faszinierende Videos von den Polarlichtern und dem Sternenhimmel über Albertas Nachthimmel-Schutzgebieten

Jeff Bartlett und Jack Fusco

Travel Alberta

Jul 04, 2018 - Lesedauer: 10 Minuten

Die Sonne war längst hinter dem Horizont versunken, als Jack Fusco und ich den Wood Buffalo National Park im Norden Albertas erreichten. Wir hatten uns vorgenommen, Fotos in allen Nachthimmel-Schutzgebieten der Provinz zu machen, und der Wood Buffalo war so etwas wie unser Heiliger Gral: ein Nationalpark von schier endlosen Ausmaßen (größer als die Schweiz!) und derart unberührter Wildnis, dass nur etwa 4.000 Besucher im Jahr das Abenteuer wagen. In dieser kalten Januarnacht waren wir weit und breit die einzigen Zweibeiner im Park. 

Unser Ziel war es, den wolkenlosen Nachthimmel und mit etwas Glück sogar Polarlichter zu fotografieren. Wir hatten uns überlegt, unsere Pläne möglichst simpel zu halten und vor allem darauf zu achten, nicht auszukühlen. Wir würden also in der Nähe des Pine Lake Stellung beziehen. Von hier hätten wir nicht nur freien Blick Richtung Norden, sondern wären auch in wenigen Minuten wieder am Auto. Außerdem gab es hier Zugang zu einer Holzhütte und einen fast unbegrenzten Vorrat an Feuerholz. 

Wir fuhren schweigend durch die Nacht und nippten an unserem Kaffee. Unser Blick war fest auf die Temperaturanzeige im Auto gerichtet, die jetzt auf -34 Grad Celsius gefallen war. Kaum hatten wir den Nordeingang zum Park passiert, sah ich im Rückspiegel ein helles Schimmern. Wir hielten an und sprangen aus dem Auto. Über uns am Himmel vollführten die Polarlichter einen hypnotisierenden Tanz.

Wood Buffalo National Park

Lage: Nordosten von Alberta
Nächstgelegene Stadt: Fort McMurray, Alberta

Anreise: Von Fort McMurray der saisonalen Eisstraße Richtung Fort Chipewyan und Wood Buffalo National Park nach Norden folgen. Alternativ von Edmonton erst in nördliche Richtung nach Hay River in den Northwest Territories fahren und von dort weiter in Richtung Südosten nach Fort Smith.

Winter-Highlight: Allein schon die Anfahrt zum Wood Buffalo National Park ist ein Abenteuer. Unmittelbar nördlich von Fort McMurray in Fort Hills endet die Asphaltstraße. Von dort führt im Winter eine gut 500 Kilometer lange Eisstraße über den Peace River und den Athabasca River sowie durch die kleine Gemeinde Fort Chipewyan zum Park. 


Die nächsten Stunden ging es Schlag auf Schlag. Wir hasteten vom Rastplatz am Salt River zum Pine Lake und hielten unterwegs immer wieder an. Einige Fotos schossen wir ganz schnell, dann wieder ließen wir unsere Kameras stehen, um Zeitrafferaufnahmen von den Polarlichtern zu machen, die unermüdlich am nördlichen Himmel flackerten. Mal standen wir im Freien, um das Naturschauspiel zu verfolgen, dann wieder saßen wir im Auto, um uns aufzuwärmen. 

Als die Polarlichter schließlich am frühen Morgen verblassten und verschwanden, hatten wir mehr Aufnahmen, als wir bei so einem kurzen Besuch für möglich gehalten hätten. Das war ein echter Glücksfall für uns, denn wir hatten keine Zeit zu verlieren. Wir waren gerade erst auf der Hälfte unseres Roadtrips durch die sechs Nachthimmel-Schutzgebiete Albertas, der einen Monat zuvor fast 1.500 Kilometer weiter südlich begonnen hatte.

Um den Nachthimmel zu fotografieren (oder auch einfach zu bestaunen), darf es weder Wolken noch Lichtverschmutzung geben. Alberta ist in dieser Hinsicht besonders gut geeignet. Außerhalb der beiden größten Städte der Provinz erstrecken sich riesige Regionen unerschlossener Wildnis. Außerdem fungieren die Kanadischen Rockies als eine Art Barriere für die von Westen heranziehenden Wolken, sodass sich viele Unwetter auflösen, ehe sie die Prärie erreichen. Diesem besonderen Umstand haben Calgary und Edmonton zu verdanken, dass sie die sonnenreichsten Städte Kanadas sind. Auch weite Teile der restlichen Provinz verzeichnen über 300 wolkenlose Tage im Jahr – optimale Voraussetzungen für Himmelsbeobachter. 


Der Jasper National Park erstreckt sich westlich von Edmonton in den Kanadischen Rockies und wurde als erster Park von der Royal Astronomical Society of Canada als Dark Sky Preserve ausgewiesen. Bald folgten weitere Regionen, sodass es mittlerweile sechs offizielle Nachthimmel-Schutzgebiete in der Provinz gibt. Der Cypress Hills Provincial Park und der Waterton National Park liegen in der südöstlichen bzw. der südwestlichen Ecke Albertas unweit der Grenze zu den USA. Die Beaver Hills befinden sich gleich östlich von Edmonton, während der Lakeland Provincial Park und der Wood Buffalo National Park im Nordosten der Provinz zu finden sind. 

Als wir mit der Planung unseres Roadtrips begannen, wurde uns schnell klar, dass es kaum realistisch wäre, alle sechs Gebiete im Rahmen eines einzigen Trips abzufahren. Wir müssten dazu nicht nur über 6.000 Kilometer zurücklegen, sondern wären auch auf ideale Bedingungen angewiesen, um den Nachthimmel zu fotografieren. 

Dafür wiederum bräuchte es nicht nur wolkenloses Wetter, sondern auch möglichst pechschwarze Nächte, um die Sterne und (hoffentlich) die Polarlichter deutlich zu sehen. Wir mussten unsere Fototermine also auf die Mondphasen abstimmen und Tage wählen, an denen die Mondsichel möglichst klein ist. In allen anderen Nächten wäre das Licht des Mondes zu hell, um den Himmel optimal zu erfassen. Also unterteilten wir die Provinz in zwei Hälften und beschlossen, die drei südlichsten Schutzgebiete im Dezember und die drei nördlichsten im Januar anzusteuern. 


Cypress Hills Provincial Park

Lage: Südosten von Alberta
Nächstgelegene Stadt: Medicine Hat, Alberta

Anreise: Zunächst von Calgary aus dem TransCanada Highway in südöstlicher Richtung nach Medicine Hat folgen. Von dort führt der Highway 41 in südlicher Richtung zum Park.

Winter-Highlight: Im äußersten Südosten Albertas ist wolkenloser Himmel eher die Regel als die Ausnahme. Ein Blick zum hell leuchtenden Sternbild Orion im Osten macht deutlich, dass Lichtverschmutzung hier ein Fremdwort ist.


In den Cypress Hills haben wir hoch zum Himmel ragende Kiefern und kristallklare Reflektionen auf gefrorenen Seen fotografiert. Wir konnten kaum fassen, wie gestochen scharf das Sternbild des Orion am östlichen Horizont zu erkennen war.  Im Waterton National Park erhaschten wir einen ersten Blick auf die Polarlichter und konnten die Schönheit der südlichen Kanadischen Rockies unter dem nächtlichen Himmel festhalten.

Waterton National Park

Lage: Südwesten von Alberta
Nächstgelegene Stadt: Lethbridge, Alberta

Anreise: Von Calgary aus 275 Kilometer Richtung Südwesten bis Pincher Creek fahren. Der Eingang zum Nationalpark liegt südlich des Ortes.

Winter-Highlight: Einsamkeit. Zwei Hotels und zwei Restaurants in Waterton bleiben den ganzen Winter hindurch geöffnet, doch die Anzahl der Besucher geht stark zurück. So haben die, die das Wagnis auf sich nehmen, das Bergparadies praktisch ganz für sich allein.


In Jasper verließ uns das Glück. Unsere Smartphones informierten uns nonstop über bevorstehende Polarlichtsichtungen, doch der Himmel zog sich zu und es begann zu schneien. Wir verließen den Park also mit leeren Händen.

Der zweite Teil unseres Roadtrips begann mit der atemberaubenden Fahrt nach Norden zum Wood Buffalo National Park. Der Park ist das ganze Jahr über geöffnet – die Anfahrtsstrecke variiert allerdings je nach Jahreszeit drastisch. Im Sommer müssen Besucher von Valleyview erst bis hoch nach Hay River in den Northwest Territories fahren, ehe sie sich wieder Richtung Süden wenden und den Nationalpark ansteuern können. Den ganzen Winter hindurch verbindet dagegen eine 500 Kilometer lange Eisstraße Fort McMurray mit Fort Chipewyan und dem Wood Buffalo National Park. 

Die Fahrt auf dieser Straße war absolut surreal. Im Zickzack zieht sich die Strecke durch die nördlichen Wälder und überquert ausgedehnte Schwemmlandschaften sowie den Athabasca River und den Peace River. Wir haben beobachtet, wie Arbeitercrews die „Brücken“ mit Wasser übergossen, um die Eisschicht zu verstärken, sodass auch schwerere Lkw die Winterstraße befahren können, um Lebensmittel nach Fort Chipewyan zu liefern. Die älteste europäische Siedlung Albertas ist auch eine der isoliertesten. Die meist von Dezember bis März geöffnete Winterstraße stellt die einzige Anfahrtsmöglichkeit mit dem Auto dar. In den Sommermonaten ist der Ort nur per Boot oder mit dem Kleinflugzeug zu erreichen.

Im Wood Buffalo National Park angekommen waren wir überwältigt von der Schönheit dieses abgelegenen Fleckens von Alberta. Nachts waren Jack und ich die einzigen Menschen im gesamten Nationalpark. Wir verbrachten nur zwei Nächte im Park, konnten aber beide Male die Polarlichter beobachten. Wie sich zeigen sollte, war das der Beginn unserer Glückssträhne. 


Lakeland Provincial Park

Lage: Lakes District im Nordosten von Alberta
Nächstgelegene Stadt: Lac La Biche, Alberta

Anreise: Von Edmonton 215 Kilometer Richtung Nordosten fahren und der Beschilderung nach Fort McMurray/Lac La Biche folgen.

Winter-Highlight: Auf der maschinell präparierten Loipe in der Nähe des Shaw Lake könnt ihr nicht nur tagsüber langlaufen. Der örtliche Skiclub von Lac La Biche organisiert den ganzen Winter hindurch Nachtskiprogramme, um Besuchern die Natur und den überwältigenden Nachthimmel nahezubringen.


Nachdem wir auf demselben Weg wieder zurück nach Fort McMurray gefahren waren, ging es zum Lakeland Provincial Park zwischen Lac La Biche und Cold Lake. Hier ist das Ökosystem vielfältiger. Die Landschaft ist von Mischwäldern geprägt, in denen sich Espen mit Weiß-Fichten, Banks-Kiefern, Amerikanischen Lärchen und Weiden abwechseln. Das Glück blieb uns hold: Wir konnten zwei weitere Male die Polarlichter fotografieren, ehe wir schnellstmöglich wieder alles ins Auto packten und zum südlich gelegenen Beaver Hills Dark Sky Preserve aufbrachen.

Beaver Hills Dark Sky Preserve

Lage: Zentral-Alberta, unmittelbar östlich von Edmonton
Nächstgelegene Stadt: Edmonton, Alberta

Anreise: Von Edmonton 45 Kilometer auf dem Highway 16 nach Osten fahren.

Winter-Highlight: Im Elk Island National Park, der die nördliche Grenze des Beaver Hills Dark Sky Preserve bildet, lebt die größte Population an frei lebenden Huftieren in Kanada. Bisons, Wapitis, Elche, Maultier- und Weißwedelhirsche sind hier allesamt im Winter kein seltener Anblick.

Das Beaver Hills Dark Sky Preserve ist das mit Abstand am einfachsten zu erreichende Nachthimmel-Schutzgebiet in Alberta. Es beginnt gerade einmal 30 Autominuten vor den Toren Edmontons am Yellowhead Highway. Das riesige Gebiet umfasst den Elk Island National Park und die angrenzende Cooking Lake-Blackfoot Provincial Recreation Area. Wieder hatten wir Glück – die nächtliche Show am Himmel begann, kaum dass wir den Eingang zum Park hinter uns gelassen hatten. Zum ersten Mal auf unserem gesamten Trip trafen wir hier auf andere Himmelsbeobachter. Einige von ihnen hatten Kameras dabei, doch die meisten hofften einfach nur darauf, die Polarlichter einmal mit eigenen Augen zu sehen.

Nach einer Woche auf der Straße waren unsere Kräfte aufgezehrt. Wir waren quer durch den Norden Albertas gefahren und hatten unsere Tage am Steuer und die Nächte mit dem Fotografieren des Nachthimmels verbracht. Geschlafen hatten wir kaum, sondern uns nur irgendwie mit kurzen Nickerchen und starkem Kaffee am Laufen gehalten. Wir mussten uns mit eingefrorenen Kameras, toten Batterien und beginnenden Erfrierungen an Fingern und Zehen herumschlagen.

Doch wir hatten auch sagenhaftes Glück und konnten fünf Nächte hintereinander die Polarlichter fotografieren. Deshalb beschlossen wir, es noch einmal mit dem Jasper National Park zu versuchen. 
Von Edmonton aus fuhren wir wieder Richtung Westen. Als wir vier Autostunden später ankamen, war der Himmel größtenteils wolkenlos. Jack und ich kennen den Jasper National Park beide gut. Ich habe fünf Jahre lang im Nationalpark gelebt und Jack ist seit 2011 jedes Jahr zum Dark Sky Festival hierhergekommen. Obwohl wir beide langjährige Erfahrung mit dem Fotografieren im Park haben, hatte keiner von uns je so perfekte Bedingungen erlebt.


Jasper National Park

Lage: westliches Zentral-Alberta in den Kanadischen Rockies
Nächstgelegene Stadt: Edmonton, Alberta

Anreise: Von Banff aus dem TransCanada Highway nach Lake Louise folgen und von dort auf dem berühmten Icefields Parkway Richtung Norden fahren. Alternativ von Edmonton den Highway 16 in westlicher Richtung nehmen.

Winter-Highlight: Die Eiswanderungen im Maligne Canyon, eine offizielle Canadian Signature Experience, führen Teilnehmer über den Grund eines Canyons. An den Felswänden seht ihr überwältigende, zu Eis erstarrte Wasserfälle.


Wir eilten von einem Ort zum nächsten, um rechtzeitig zu all unseren Lieblingsplätzen im Maligne Valley und am Horseshoe Lake zu gelangen. Nachdem wir den Panoramablick vom Aussichtspunkt Goats and Glaciers fotografiert hatten, beschlossen wir, unser Glück mit einer echten Traumaufnahme zu probieren. 

Der Whirlpool River am Highway 93A ist eines der meistfotografierten Naturmotive im Jasper National Park. Jack und ich hatten beide schon häufiger versucht, hier das perfekte Foto zu machen. Von der Brücke blickt man ziemlich frontal auf den McGillivray Ridge und den Athabasca Pass im Westen. Die Kulisse ist wunderschön, der Himmel allerdings fast immer wolkenüberzogen. 

In der allerletzten Nacht unseres Fotografie-Roadtrips durch ganz Alberta kamen wir zwei Stunden vor einsetzender Morgendämmerung an. Im Winter sind die letzten 100 Meter vor der Brücke für Autos gesperrt, da die Strecke als Langlaufloipe freigegeben ist. Wir sammelten also unsere Ausrüstung zusammen und legten die letzten Meter zu Fuß zurück.  

Der Himmel im Westen war pechschwarz und absolut wolkenlos. Endlich! Uns gelangen echte Traumbilder und hervorragende Zeitrafferaufnahmen.


Nach zwei jeweils zehntägigen Roadtrips hatten wir alle sechs Nachthimmel-Schutzgebiete Albertas besucht und fotografiert. Obwohl der Winter sicher nicht die einfachste Jahreszeit für einen Roadtrip ist, bot er für unsere Zwecke die idealen Voraussetzungen. In den langen Nächten hatten wir mehr Gelegenheiten, den Nachthimmel zu beobachten und zu fotografieren. Auch die Tatsache, dass wir die Parks meist für uns allein hatten, war von Vorteil. 

Unterwegs wurden wir mehrfach nach unserer Lieblingsstation gefragt, doch darauf fanden wir keine Antwort. Jedes Schutzgebiet hat seinen ganz eigenen Reiz – vom erstklassigen Blick auf bestimmte Sternbilder bis hin zu idealen Bedingungen zur Beobachtung der Polarlichter. Wir würden jederzeit sofort wieder in alle sechs Nachthimmel-Schutzgebiete fahren und legen euch jedes einzelne davon ans Herz.