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Wie ihr bei einer schaurig-schönen Erfahrung in einer beengten Höhle lernt, über euch hinauszuwachsen

Zoey Duncan

Travel Alberta

Mar 08, 2018 - Lesedauer: 3 Minuten

Meine Nase ist nur ein paar Millimeter vom Fels entfernt und das untere Ende meines Ganzkörperanzugs hat gerade eine weitere Schicht Höhlenstaub aufgenommen. Ich versuche, nicht daran zu denken, dass ich mich tief im Innern eines Berges befinde, und schiebe mich die letzten Meter durch die „Laundry Chute“. Die Tour durch die Rat’s Nest Cave nahe Canmore ist einfach zu verrückt, als dass man großartig ins Grübeln geraten könnte, was man da eigentlich gerade tut. Man muss einfach darauf vertrauen, dass man es kann.

Euch davon zu überzeugen – das ist die Aufgabe von Max Koether. Seit er sechs Jahre alt ist, hat Max Tausende von Stunden auf allen Vieren im Rat’s Nest Cave verbracht, um die Höhle zu erkunden. „Es gibt keine bessere visuelle Metapher für das Überwinden von Hindernissen als die Entscheidung, sich in ein scheinbar unergründbares Loch zu begeben“, sagt er. „Zuerst glaubt man, es wäre unmöglich, aber dann schafft man es doch.“

Zuvor gilt es jedoch, die halbstündige Klettertour den Grotto Mountain hinauf bis zum Höhleneingang zu bewältigen. Auf dem Weg begegnen wir einer Herde Dickhornschafe, enträtseln Tierspuren und bestaunen Fossilien, die einer Zeit entstammen, zu der Alberta von einem riesigen Korallenriff bedeckt war – noch lange, bevor es Dinosaurier gab.

Canmore Cave Tours

Um zur Rat’s Nest Cave zu gelangen, müsst ihr den Grotto Canyon hinaufklettern. Dort bekommt ihr mit etwas Glück Dickhornschafe zu sehen. In jedem Fall werdet ihr Zeugnisse längst vergangener Zeiten in Alberta entdecken.

Es ist nie so, dass die Höhle einfacher zu erschließen wäre als gedacht. Stattdessen stellen viele fest, dass sie mehr können, als sie sich selbst zugetraut hätten.

Bevor wir das starke Gefälle bis hoch zum Höhleneingang erklimmen, legen wir uns das Klettergeschirr für die Seile an. Außerdem rüsten wir uns mit Knieschützern, Handschuhen, Ganzkörperanzügen und einem Helm mit Stirnlampe aus. In den nächsten Stunden sind dann unsere Hände, Knie und Seile gefordert. Halb klettern, halb schlittern wir hinunter in eine geräumige Kammer, in der 3.000 Jahre alte Tierknochen lagern. 

Unser Tour-Guide gibt uns Anweisungen zum bevorstehenden Abseilen über 20 Meter und schafft es dabei irgendwie, uns zu beruhigen. Er hat eine Art an sich, die uns das Gefühl gibt, hier drinnen sei alles ganz einfach – sogar, mich über einer gähnenden Kluft baumeln zu lassen. Ich seile mich schrittweise ab und komme gut durch. Nur einmal streife ich die Wand. Immerhin habe ich mir nicht die Hose aufgerissen, wie die Person nach mir.

Als Nächstes kommt unser erster „Squeeze“. Das ist eine euphemistische Umschreibung für ein kleines Loch, durch das man sich irgendwie hindurchquetschen muss. Dieses spezielle Loch wurde erst vor Kurzem entdeckt und hat deshalb noch gar keinen Namen, erläutert Max. Die Höhle hält eben viele Entdeckungen bereit. Das ist einer der Gründe, weshalb sie unseren Guide so fasziniert.

Canmore Cave Tours

Sich in die Dunkelheit der Rat’s Nest Cave abzuseilen, ist zunächst etwas furchteinflößend, doch vor allem ist es ein außergewöhnliches und surreales Erlebnis.

„Es gibt einen Teil der menschlichen Seele, der beim Gedanken an eine Entdeckung aufgeregt umherflattert und zum Leben erwacht“, meint Max. „Und wo sonst in der modernen Welt kann man noch etwas völlig Neues entdecken, wenn nicht in einer Höhle?“

Bei dieser „Squeeze“-Erfahrung geht es nicht nur darum, seinen Kopf durch ein Loch zu manövrieren. Es ist eine Ganzkörpererfahrung aus Kriechen, Schlittern und Rutschen – und es fühlt sich gleichzeitig seltsam und doch irgendwie großartig an. 

Doch Unser Tour-Guide Max hat noch etwas Besonderes auf Lager: Wie wäre es, wenn wir im Dunkeln Höhlenforschung betreiben? Alle stimmen zu, wenn auch manche von uns etwas zurückhaltender. Es folgt die absoluteste Dunkelheit, die je ein Mensch auf Erden erleben kann. Manche von uns müssen verzweifelt auflachen (nach dem Motto: „Ich kann nicht glauben, dass ich das gerade tue“), während wir uns langsam einen relativ flachen Bereich entlang schieben. Zeit und Raum scheinen in diesen Minuten zu verschmelzen. Stück für Stück ziehe ich mich an den Felsen entlang, die ich gelegentlich mit dem Schuh meiner Vorderperson verwechsle. Als wir unsere Stirnlampen wieder einschalten, haben wir uns nur etwa 12 Meter vorwärts bewegt, und der Boden sieht viel harmloser aus, als er im Dunkeln wirkte. Wie surreal!

Canmore Cave Tours

Am Anfang kann man sich gar nicht vorstellen, dass man durch so enge Spalten passen soll. Doch mit etwas Zuspruch durch euren Guide werdet ihr überrascht feststellen, dass es doch geht.

Nur noch ein kurzer Abstieg und wir sind bei den beiden Tümpeln in der Grotte angekommen, dem tiefsten Punkt der Tour. Die Gewässer sind von Stalagmiten umgeben – eine weitere faszinierende Besonderheit der Höhle. Dann müssen wir den Rückweg antreten. Wir ziehen uns an Seilen und Kalkstein entlang zurück an die Oberfläche. Als wir wieder ans Tageslicht gelangt sind, fällt es uns schwer zu glauben, was wir gerade alles geschafft haben. Max Koether kennt das.

„Es ist nie so, dass die Höhle einfacher zu erschließen wäre als gedacht. Stattdessen stellen viele fest, dass sie mehr können, als sie sich selbst zugetraut hätten.“

Canmore Cave Tours

Über die gesamte Höhle verteilt wurden Knochen von Urtieren, Piktogramme und Fossilien gefunden. Bei der Tour erfahrt ihr, wie diese Artefakte einst dorthin gelangten.