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Wildtiere beobachten

WINTERSAFARI IN ALBERTA: FANTASTISCHE WILDTIERERLEBNISSE

JEREMY KLASZUS

Travel Alberta

Aug 30, 2017 - Lesedauer: 4 Minuten

Aus irgendeinem Grund gehe ich davon aus, dass mich jemand im Alter meiner Eltern zur Wildtiertour im Jasper National Park abholen wird. Als ich an diesem verschneiten Samstagmorgen in der Lobby des Hotels warte, kommt ein junger Typ mit dunklem Bart herein. In der Hand hat er ein Klemmbrett, auf dem Kopf eine Mütze mit dem Logo einer Mikrobrauerei. „Wer ist das denn jetzt?“, frage ich mich. „Jemand von einem Lieferunternehmen?“

An dieser Stelle will ich gleich ganz offiziell sagen: Es tut mir leid,Pete. Es war nicht fair zu denken, dass du über 50 sein müsstest. Ja, auch Millennials können über ein enzyklopädisches Wissen zur Fauna im Park verfügen. Das sehe ich jetzt ein!

Pete Limoges, 29, ist an diesem Tag mein Guide auf der Winter Wildlife Discovery Tour der SunDog Tour Co. Dem ursprünglich aus Montreal stammenden Pete haben es vor allem die schroffen Bergparks von Alberta und ihre berühmten Tiere angetan, die untrennbar mit der kanadischen Psyche verbunden sind. „Ich war auf der Suche nach Wildnis, Abenteuern und neuen Chancen. Die Kanadischen Rocky Mountains haben mir all das geboten“, so Pete.


KOJOTEN

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Auch wenn die Kojoten aussehen wie eine knuddeligere Version des Deutschen Schäferhundes, gelten sie nicht ohne Grund in vielen Erzählungen der Ureinwohner Albertas als trickreich und verschlagen. Also: Nicht streicheln. Ganz im Ernst. Schlechte Idee.

Terry Elniski

Schon als wir Jasper in Richtung Osten verlassen, stellt Pete sein Talent als Guide unter Beweis. Er macht uns auf einen Kojoten aufmerksam, der ca. 300 Meter entfernt inmitten von mehreren Raben auf der Spitze eines kleinen Hügels sitzt. In vielen Erzählungen der Ureinwohner gelten Kojoten als verschlagen – vielleicht, weil ihre schmale Schnauze und die spitzen Ohren ihnen ein spitzbübisches Aussehen verleihen. Dieses Exemplar hier posiert geduldig vor dem dunklen Hintergrund der Kiefern für unsere Fotos. Kurz darauf gleich die nächste Sichtung: Hoch über dem Kopf des Kojoten zieht ein Weißkopfseeadler seine majestätischen Kreise. Ich komme mir vor, als wäre ich geradewegs in eine Naturdokumentation versetzt worden. Irgendwann hat der Kojote dann genug. Er trabt direkt vor uns über die Straße und verschwindet zwischen den Bäumen.

DICKHORNSCHAFE

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Wer schon einmal einen Steilhang nach oben geklettert ist, kann sich in etwa vorstellen, wie schwierig es ist, die hochgelegenen Felsvorsprünge in den Kanadischen Rockies zu erklimmen. Und jetzt versucht mal, dabei noch ein 13 Kilogramm schweres Paar Hörner auf der Stirn zu tragen! So sieht der Alltag eines Dickhornschafs aus.

Nick Parayko

Die Dickhornschafe mit ihren unverwechselbaren, nach hinten gebogenen Hörnern balancieren gerne auf schmalen Felsvorsprüngen, wo sie das Salz vom Stein lecken. Um diese ausgezeichneten Kletterkünstler zu erspähen, müsst ihr den Blick nach oben richten. Weit nach oben. Dank ihrer gespaltenen Hufe erklimmen sie mühelos selbst die steilsten Hänge. Pete hält mehrmals an und stellt ein Spektiv für uns auf, damit wir einen genaueren Blick auf die Tiere werfen können. Durch das Fernrohr beobachten wir eine große schwarzweiße Elster, die zufrieden auf dem Rücken eines Schafs sitzt. Pete erklärt uns, dass die Vögel gerne Insekten aus dem Wollfell picken. Auch an die morgendliche Fitnesseinheit hat Pete gedacht: Er reicht ein schweres Paar Bockhörner herum, die bis zu 13 Kilogramm wiegen können (er nennt das „Fitnesstraining auf Kanadisch“).

GRIZZLYBÄREN

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Im Winter halten „Jaspers Monarchen“ in der Regel Winterschlaf. Trotzdem ist der Gedanke an Grizzlybären in den Kanadischen Rocky Mountains nie fern. „Fern bleiben“ ist auch ein guter Verhaltenshinweis, denn nicht umsonst sind überall in den Nationalparks Warnschilder aufgestellt.

Parks Canada

Ob Winter oder Sommer: Der Gedanke an Bären ist in Jasper stets präsent. Selbst dann, wenn Meister Petz Winterschlaf hält. Einst sind diese riesigen Tiere – die Parks Canada als „Jaspers Monarchen“ bezeichnet – frei durch die nordamerikanische Prärie gestreift. Heute gibt es nur noch eine kleine Population in den Bergen. Von den rund 1.000 Tieren in Alberta leben ca. 110 im Jasper National Park. Obwohl der Grizzlybär als Fleischfresser gilt, ist er eigentlich ein Allesfresser, dessen Ernährung zu 80-90 Prozent aus Pflanzen besteht. Das viele Essen macht den Grizzlybären zum zweitgrößten fleischfressenden Landtier Nordamerikas. Lasst euch aber vom unförmigen Aussehen nicht täuschen: Grizzlybären können Geschwindigkeiten von bis zu 55 Kilometer pro Stunde erreichen.

WAPITIS

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Das anmutige und erhabene Erscheinungsbild der Wapitis wird leider durch den Brunftschrei der Bullen wieder zunichtegemacht. Ein Wildtier-Guide im Jasper National Park vergleicht das Geräusch mit einer „Trompete spielenden Boa constrictor“.

Colleen Gara

Mit ihren riesigen Geweihen gehören die Wapitis zu den würdevollsten Tieren im Park. Insofern sind die Töne, die sie von sich geben, eine echte Überraschung, denn sie ähneln eher einem hohen Winseln. Der Brunftschrei der Bullen klingt laut Pete so, als würde eine Boa constrictor Trompete spielen. „Ein ganz furchtbares Pfeifen, das die Ohren zum Bluten bringt.“ Auf einer Nebenstraße ein Stück außerhalb von Jasper begegnen wir etwa 30 Wapitis. Wir haben Glück, denn gegen Ende des Winters werfen die Wapitihirsche ihr Geweih ab. Einer der Bullen hat vor Kurzem den einen Arm seines Geweihs verloren und wirft jetzt auf ulkige Weise den Kopf hin und her, um auch die zweite Hälfte abzuschütteln („Er schämt sich wegen seines asymmetrischen Aussehens“, so Pete). „Ich hatte schon immer eine Vorliebe für Wapitis, denn sie haben die stärkste Persönlichkeit.“

ELCHE

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Die Kanadier hegen eine besonders innige Liebe zum Elch – vielleicht, weil die Tiere im Unterschied zu anderen, majestätischeren Huftieren wie den Wapitis oder Hirschen immer ein bisschen tapsig und unbeholfen wirken.

Jasper Tourism

Der Elch ist der größte Vertreter der Hirschfamilie und vielleicht das kanadischste Tier überhaupt. Im Kurzfilm-Klassiker „Log Driver’s Waltz“ von 1979, mit dem eine ganze Generation kanadischer Schulkinder aufgewachsen ist, springt ein Flößer im Karohemd behände über einen einsamen Elch im Fluss. Diese Szene ist faktisch korrekt – zumindest, was den Elch angeht. Die Tiere halten sich gerne im Wasser auf und sind in der Regel (anders als z. B. die Wapitis) echte Einzelgänger. Das Schaufelgeweih kommt übrigens nicht nur bei Rangkämpfen während der Brunftzeit zum Einsatz. Pete erzählt uns, dass erst vor Kurzem entdeckt worden ist, dass Elche ihr Geweih auch als eine Art Hörgerät nutzen, da es Geräusche vom See oder aus dem Wald einfängt und verstärkt.

Daneben leben noch zahlreiche weitere Tierarten in Jasper. In ganz Alberta streifen die unterschiedlichsten faszinierenden Tiere durch die Prärien, Wälder und Berge. Im Banff National Park wurden kürzlich wieder Bisons angesiedelt. Mit etwas Glück entdeckt ihr vielleicht Spuren eines Vielfraßes im Schnee. Neben den Grizzlybären patrouillieren auch ihre Artverwandten, die Schwarzbären, in den Bergen. Ein plötzlich über die Straße hastender Schneeschuhhase könnte darauf hindeuten, dass sich ein Luchs in der Nähe aufhält. An den steilen Berghängen tummeln sich neben den Dickhornschafen oft Bergziegen. Und auch Pumas und Wölfe haben hier ihr Revier. Haltet die Augen offen – man weiß nie, welche Begegnungen einen erwarten.

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