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Radfahren & Mountainbiking

DIE BERGE, EINE HOCHZEIT UND FATBIKES IM SCHNEE: EINE LIEBESGESCHICHTE

Tom Babin

Travel Alberta

Sep 26, 2017 - Lesedauer: 4 Minuten

Jeder kennt solche Geschichten: Ein Junge trifft ein Mädchen beim Aufstieg auf einen vereisten Gipfel. Das Mädchen verliebt sich in den Jungen, während dieser an einem Felsen baumelt. Der Junge und das Mädchen heiraten und beschließen, Fatbike-Touren durch den Schnee der Kanadischen Rockies anzubieten.

Noch nie gehört? Dann wird es höchste Zeit. Mir wurde diese Lovestory erstmals von Claude Faerden erzählt, während er einer Reisegruppe gerade eine schöne heiße Tasse Tee zum Aufwärmen eingoss. Dabei war es unmöglich, sich nicht von seiner Begeisterung anstecken zu lassen. Wir waren gerade mitten auf einer Fahrradtour durch den Schnee im Kananaskis Country, einer unfassbar schönen Gegend der Kanadischen Rockies in Alberta, die noch weitestgehend ein Geheimtipp ist. Claude – ein erfahrener Bergabenteurer mit einer Schwäche für alles Wissenschaftliche – wollte für eine lockere Atmosphäre sorgen, während wir uns im dämmrigen Winterlicht ausruhten.

Dabei ließ er sich jedoch immer wieder zu gerne ablenken. Kein Wunder bei der Umgebung. „Da“, sagte er und zeigte auf den nächsten Berggipfel, bevor er uns den Ursprung von dessen Namen erklärte. „Hier“, rief er an einer Stelle, an der er mal eine Kamera mit Bewegungssensor aufgestellt hatte, um atemberaubende Bilder von Bären und Wapitihirschen aufzunehmen. „Die hier sind’s“, freute er sich, als er nach einem kleinen Umweg ins Unterholz wieder auftauchte und auf Blätter zeigte, aus denen man Labrador-Tee kochen kann. Anscheinend hat dieser Tee eine leicht aufputschende Wirkung, weshalb ich mir prompt die Frage stellte, ob Claude nicht vielleicht vor der Tour schon ein Tässchen getrunken hatte. Hatte er nicht. Er ist wirklich immer so.

Zu den unerwarteten Ereignissen auf dieser Fatbike-Tour gehörte die Liebesgeschichte. Claude betreibt Kananaskis Outfitters zusammen mit seiner Frau Michelle. Das Paar lernte sich bei der Arbeit als Tour-Guides in den Kanadischen Rockies kennen und verliebte sich bei den gemeinsamen Wochenendwanderungen und Klettertouren (in Alberta passiert das häufiger, als man denkt). Heute helfen sie dabei, Kananaskis bei den Besuchern populärer zu machen, die für gewöhnlich nur den Banff National Park im Blick haben.


Radfahren & Mountainbiking

Michelle Faerden, links, hier mit einer Gruppe auf Fatbikes durch das Kananaskis Country in den Kanadischen Rockies im südlichen Alberta unterwegs, weiß, wie man mit gefrorenen Wasserfällen umzugehen hat: Man macht ein Selfie.

Kyle Hamilton

DIE ÜBERRASCHENDE LEICHTIGKEIT DES FATBIKINGS

Eine weitere unerwartete Erkenntnis dieser Tour: Fatbiking macht ziemlich großen Spaß. Im Grunde genommen sind Fatbikes die Monstertrucks unter den Fahrrädern. Am besten stellt man sich ein Mountainbike für den Schnee mit extra breiten Reifen vor. Mit den extremen Mountainbike-Videos auf YouTube, bei denen man sich am liebsten die ganze Zeit die Augen zuhalten möchte, hat das übrigens nichts zu tun. Das findet ihr hier bei Bedarf natürlich auch, so ist das nicht. Unsere Tour führte uns jedoch in zügigem Tempo einen wunderschönen Bergweg entlang.

Folgendes muss man nämlich wissen: Trotz aller Ähnlichkeiten unterscheiden sich Mountainbiking und Fatbiking doch grundlegend. Zum einen sind die riesigen Reifen nicht sonderlich stark aufgepumpt. Dadurch stellt sich ein federndes Fahrgefühl ein, das keine allzu hohen Geschwindigkeiten zulässt. Und dann ist da noch die Strecke. Im Gegensatz zum Mountainbiking im Sommer, bei dem die Abfahrt oft voller spitzer Steine und rutschiger Wurzeln ist, fährt man beim Fatbiking auf Schnee. Federleichter (meistens zumindest) Pulverschnee.


SNOWBIKING IN ALBERTA

Daher liegt auch auf der Hand, warum Fatbiking und Alberta so gut zusammenpassen. In der ganzen Provinz kommen immer neue Wege dazu, darunter ein ausladendes Streckennetz in Kananaskis Country. Die Nationalparks in Banff und Jasper bieten mehrere ausgewiesene Wege für Fatbikes. Das Canmore Nordic Centre, in dem bei der Winterolympiade 1988 die Nordischen Wettbewerbe stattfanden, hat ein riesiges Streckennetz für Fatbiker. Im wunderschönen River Valley in Edmonton finden mehr und mehr Menschen Gefallen an den Rädern mit den dicken Reifen, genau wie im Fish Creek Provincial Park in Calgary. Außerdem bieten noch viele andere Orte in Alberta, von Hinton bis Cypress Hills, spezielle Fatbike-Wege an.

Claude, der Fatbiker seit mehreren Jahren durch das Kananaskis Valley führt, kennt sich hier natürlich bestens aus. Gleiches gilt für Michelle, die als ambitionierte 23-Jährige den damals etwas lahmenden Verleih „Kananaskis Outfitters“ kaufte und wieder flott machte. Für beide ist es das Schönste, dieses Tal mit den Besuchern zu teilen. Für Claude ist es der Blick in den atemberaubenden Nachthimmel der Kanadischen Rockies fernab der Stadtlichter. Für Michelle sind es die Bäume, die Felsen und die Tiere, die hier leben.

„Ich liebe es, wenn ich diesen Entdeckergeist in den Augen der Menschen sehe“, sagt sie. „Dieses Staunen, wenn man ihnen die Natur von einer anderen Seite zeigt. Es macht riesigen Spaß, mit den Leuten rauszufahren und ihnen alles zu zeigen. Oft sind unsere Gäste ein bisschen wie Kinder, die aus dem Staunen nicht mehr herauskommen.“

Bei den beiden Faerdens scheint dieses Staunen immer mitzuschweben, und man hat das Gefühl, es könnte jederzeit auftauchen. Umso passender, dass diese Beschreibung auch auf „ihr“ Tal passt.


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