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Eisklettern

Auf Klettertour an einem gefrorenen Wasserfall in Alberta. Adrenalin pur!

STEPHEN HUNT

Travel Alberta

- Lesedauer: 4 Minuten

Tangle Falls. Der Name klingt wie das Versteck des Bösewichts in einem Superheldenfilm, doch die Tangle Falls haben nichts Böses an sich.

In nächster Nähe des Icefields Parkway im Jasper National Park in Alberta, zwischen Lake Louise und der Stadt Jasperjasper gelegen, wandert mein Blick an diesem tollen Wintertag über die Straße und auf den gefrorenen Wasserfall, dessen Eis in unterschiedlichen Farben funkelt. Man sieht blaues Eis, hartes, weißes, kristallförmiges Eis und durchsichtiges, welliges Eis, das aussieht, als ob es per Photoshop auf die Seite des Berges gezaubert wurde.

Ich übertreibe nicht: Tangle Falls könnte der Drehort eines Superheldenfilms sein!
Das einzige Problem? Ich bin kein Superheld. Für mich sind Berge tolle Fotomotive, die dann auf Instagram landen. Sie sind nicht zum Klettern da, und schon gar nicht im Winter. Und das gilt gleich doppelt für gefrorene Wasserfälle!

Trotzdem werde ich dank Max Darrah, einem der Besitzer von Rockaboo Mountain Adventures, am Ende des Tages die Tangle Falls hochklettern. Dieser Wintersport gehört zur Kultur von Alberta, seit die ersten Kartografen der Eisenbahn und der Regierung in den achtziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts in diese Gegend kamen. Tangle Falls ist nur eine der dutzenden Stellen, an denen man in Alberta dem Eisklettern frönen kann, darunter Banff National Park, Canmore, Lake Louise und Kananaskis, die Gegend um Bragg Creek und den Ghost River und, am wichtigsten für Rockaboo, in Jasper.


360-GRAD-EISKLETTERN

Eisklettern im berühmten Maligne Canyon im Jasper National Park – ganz ohne Handschuhe (außer, ihr liebt eure Handschuhe, dann wird es aber schwierig, den Bildschirm zu bedienen).

PAAR LERNT SICH BEI EINEM KLEINEN PISTENUNFALL KENNEN

Rockaboo Mountain Adventures mit Sitz in Jasper ist ein Bergtouranbieter, der seit 2010 von Max und seiner Frau Lisa betrieben wird. Und mit ihrem kleinen Neugeborenen sind sie bald die mustergültige Outdoor-Familie.

Das Unternehmen bietet Touren und Lehrgänge für Eisklettern, Tiefschneefahrten, Lawinensicherheit, Klettern, Skitouren und Team-Building an. Egal, was man an einem Berg machen kann, die Chancen stehen gut, dass Max und Lisa es auf sichere und technisch einwandfreie Weise erklären können.

Treffenderweise lernten Max und Lisa sich bei einem Snowboard-Event kennen, bei dem aus einem Malheur große Gefühle entstanden.

„Wir haben beide in Banff gearbeitet“, sagt er. „Wir sind zusammen Snowboarden gegangen. Es gab einen kleinen Unfall. Ich kannte sie nicht gut und sie fiel hin.“


EIN ANFÄNGER GANZ OBEN

„Ich fuhr zu ihr rüber und half ihr hoch. Da hat es gefunkt.”

Am Fuße des Wasserfalls bringt Max die Klettereisen an meinen Stiefeln an, wobei ich mich wie ein kleines Kind fühle. Mit den Spitzen an meinen Füßen begleite ich die Australierin Lisa Reid und den Argentinier Max Schoffel (beide mit mehr Eisklettererfahrung als ich, also mehr als keine) auf dem engen Pfad zu den Tangle Falls.


Hier erhalte ich eine vierteilige Einführung ins Eisklettern.

Im Wesentlichen besteht der Trick darin, den Eispickel, den man jeweils in einer Hand hält, im richtigen Winkel in das Eis zu schlagen, um einen Teil seines Gewichts darauf zu verlagern. Dann tritt man mit den Klettereisen in den gefrorenen Wasserfall, drückt sich hoch und wiederholt alles, bis man oben ist. Dabei fühlt man sich ein bisschen wie der Spiderman Peter Parker.

Man ist natürlich mit einem Seil, das von einer zweiten Person am Boden gehalten wird, und einem Klettersitz gesichert, was die ganze Angelegenheit deutlich vereinfacht und natürlich auch absichert.


Eisklettern

Jeff Bartlett

DIE BERGE ERINNERN UNS IMMER WIEDER DARAN, WER WIR SIND

MAX DARRAH, ROCKABOO MOUNTAIN ADVENTURES

Dennoch ist es schwierig, seine Zehen so hart wie möglich in die Eiswand zu schlagen, doch die Stimmung steigt schnell, wenn man es dann geschafft hat. Von meinem Blickwinkel aus ist Tangle Falls eine gefrorene Schönheit.Neben mir bewundert der Argentinier Schoffel die unzähligen Eissorten des gefrorenen Wasserfalls.

„Es ist nur Wasser“, sagt er, „doch es ist sehr dynamisch. Es ändert sich immer wieder. Man fühlt sich immer anders. Die Dichte, die Form, die Farbe. Wie sich das Eis bildet, wie kalt es ist, welches Volumen (es hat).“

Max erzählt mir, dass sich der Anfang des Frühlings toll für einen Besuch des gefrorenen Wasserfalls anbietet. „Es ist eine der besten Reisezeiten für die Berge. Das Eis ist super und das nicht nur hier. Überall in Jasper und auch an dem Parkway in Richtung Banff. Und es herrschen milde Temperaturen, die Landschaft ist malerisch. Eine wunderbare Zeit, um draußen in den Bergen zu sein.“ Meine Erkenntnis: Es gibt keine Bösewichte, die in Tangle Falls und Jasper ihr Unwesen treiben.

„Die Berge bringen uns immer wieder bei, was Bescheidenheit heißt“, so Max, „und das ist eine der schönsten Seiten einer Reise in die Berge: Wir stellen uns dem Risiko. Dadurch bietet sich uns die Möglichkeit, uns zu belohnen. Und die Belohnung ist großartig.“ Nachdem ich meinem inneren Superhelden freien Lauf gelassen habe und die wunderschönen Kanadischen Rockies vom Gipfel eines gefrorenen Wasserfalls bestaunen konnte, muss ich einfach zustimmen.


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