Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen noch bessere Online-Services zu bieten. Indem Sie die Website nutzen oder diese Meldung schließen, erklären Sie sich mit unserer Cookie-Richtlinie einverstanden. Hier finden Sie weitere Informationen.
DE
  • AU
  • CA
  • CN
  • DE
  • JP
  • KR
  • NL
  • UK
  • US
  • MX

Diese ehemalige Kandidatin einer Kochshow hat auf einem Campingplatz ihr erstes Restaurant eröffnet – und es ist Liebe auf den ersten Bissen.

LEIGH MCADAM

Travel Alberta

Sep 26, 2017 - Lesedauer: 5 Minuten

Die dreieinhalbstündige Fahrt von Calgary hält man auf leerem Magen am besten bei lauter Musik aus. Am Cypress Hills Interprovincial Park angekommen, geht es sofort weiter zum Besucherzentrum, denn hier erwartet mich ein ganz besonderes Restaurant. Ich weiß, es klingt merkwürdig, aber in dieser südöstlichen Ecke von Alberta passiert gerade etwas Magisches.

Die beiden Köche – Becky Ross, eine ehemalige Kandidatin der Kochshow „Top Chef Canada“, und ihr Partner Alex Bruveris, der im George Brown sein Handwerk erlernte – möchten ungerne Küchenchefs genannt werden, denn das finden sie übertrieben. Die beiden sind in ihren Zwanzigern und warfen mit der Eröffnung ihres eigenen Restaurants alle Bedenken über Bord. Zum Glück, denn sonst wäre schließlich das fantastische Restaurant Camp Cookhouse and General Store im Cypress Hills Interprovincial Park nicht entstanden.

Das Camp befindet sich im Cypress Hills – einem geografisch besonderen Ort auf den Prärien von Alberta, der jedes Jahr Tausende Besucher anzieht. Die bringen selbstverständlich auch jede Menge Hunger mit.

Chris Amat

Der Park ist eine geografische Besonderheit. Zu beiden Seiten der Grenze von Alberta und Saskatchewan liegt er auf einem Plateau weit über den Prärien und ist somit der höchste Punkt zwischen den Kanadischen Rockies und Labrador. Genau hier, nur ein paar Schritte entfernt vom Elkwater Lake, haben Ross und Bruveris dieses versteckte Juwel der kulinarischen Szene in Alberta etabliert.

Die feierliche Eröffnung folgte im Juli 2014 auf eine stürmische Zeit, in der die beiden von Toronto umziehen mussten und nur knapp eine Woche Zeit hatten, um das Restaurant herzurichten. Das Paar erwarb das Restaurant, „um die Chance zu ergreifen, nach Alberta zurückzukehren, ohne uns jede Menge Geld leihen und Risiken eingehen zu müssen. Außerdem hatten wir so die Gelegenheit, das südliche Alberta kennenzulernen und herauszufinden, was hier funktioniert, was nicht funktioniert und dabei aus unseren Fehlern zu lernen“, so Becky.


Die Menschen aus dem nahegelegenen Medicine Hat sind riesige Fans – doch sie sind nicht die einzigen. Nehmen wir diesen netten Herrn, der beim Frühstück neben uns saß. „Das Essen ist einfach unglaublich“, sagte er. „Und falls es da Zweifel gibt, ich meine damit unglaublich gut.“ Nach einem Berg luftig lockerer Pancakes mit brauner Butter, echtem Ahornsirup, hausgemachter Pfirsichmarmelade und dem hauseigenen Bacon kann ich da nur zustimmen.

In Bezug aufs Kochen ist das Duo sowohl praktisch als auch experimentierfreudig veranlagt. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die besten einheimischen Zutaten zu verwenden, die sie sich leisten können. Ihre Speisekarte ändert sich ständig, da sich die beiden am liebsten von saisonalen Produkten inspirieren lassen. Becky versucht, so wenig Reste wie möglich zu erzeugen – eine Herangehensweise, die ihrer Leidenschaft für alte Kochbücher und traditionelle Zubereitungstechniken aus Italien entstammt. Alex verfolgt einen moderneren Ansatz, doch es ist die Kombination dieser beiden Mentalitäten, die für kulinarische Feuerwerke sorgt.


Wen stört das Grünzeug schon, wenn es so lecker schmeckt?

Was steht auf der Speisekarte? Am beliebtesten sind die Burger. Ihre Kunden lieben das Altbewährte. Erwartet uns etwas Ungewöhnliches? Eher nicht. Doch wie die Gäste so schön sagen: „Ich wusste nicht, dass Essen so gut schmecken kann.“

Becky hat außerdem ein Faible dafür, die Leute dazu zu bringen, mehr Gemüse zu essen. Das bringt mich direkt zu dem Grünkohl, der in meiner Tagliatelle versteckt war – getarnt mit Wurst, Ricotta und Semmelbröseln. Wen stört das Grünzeug schon, wenn es so lecker schmeckt?
Niemand sollte das Restaurant ohne eines der Lunch-Pakete verlassen. In unserem Paket war ein Sandwich mit Brie, Schinken und sauren Gurken, ein Kartoffelsalat mit roter Bete, Sellerie und Äpfeln, dazu noch regionale Möhren und Gurken, hausgemachte Kartoffelchips, Chicharrones und butterweiche Cookies mit Trockenpflaumen und Mohn. Absolut köstlich.

Die Einheimischen wollen den Cypress Hills Interprovincial Park geheim halten, damit er so unberührt wie möglich bleibt. Becky und Alex schätzen die geheimnisvolle Aura des etwas abseits liegenden Parks und wissen, dass es hier wohl nie so voll werden wird wie in anderen Gegenden der Provinz. Doch langsam aber sicher spricht es sich herum und immer mehr Menschen kommen, um den Park und natürlich auch das Camp Cookhouse zu entdecken. Wir empfehlen einen Besuch, solange dieser wunderschöne Park zumindest noch teilweise ein Geheimtipp ist.

Anbieter